Okkultismus bei Jugendlichen


Okkultismus, also der Versuch, durch bestimmte Praktiken wie das Klassische Gläserrücken oder Pendeln mit der Geisterwelt oder dem Jenseits in Kontakt zu treten, dass ist bei Jugendlichen weit verbreitet. Untersuchungen zeigen, dass über 75% der befragten Schüler über okkulte Praktiken informiert sind, etwa die Hälfte der Schüler ein Interesse an Informationen über Okkultismus äußern, für ungefähr 25% okkulte Praktiken passiv oder aktiv zum Alltag gehören und knapp 5 % der Schüler bereits aktiv oder passiv an extremen okkulten Praktiken teilgenommen haben. Der Anteil der Mädchen liegt um das Zwei- bis Dreifache über dem Anteil der Jungen. Kennzeichnend für die Okkultszene ist oft, dass die Geschehnisse im Verborgenen bleiben. Eltern und Lehrer erhalten nur zufällig davon Kenntnis, wenn ihre Kinder okkulte Praktiken durchführen oder in entsprechenden Kreisen verkehren. Daher ist vielen Erwachsenen gar nicht bewusst, dass ein Problem vorliegt. In vielen Fällen wurde mittlerweile aber die Erfahrung gemacht, dass dort, wo Erwachsene den Mut haben, das Thema anzusprechen, bei den Jugendlichen sofort eine außergewöhnliche Motivation zur Beschäftigung mit diesem Bereich vorhanden ist.

Wichtiger als ein gefestigter Wissensstand ist dabei die Bereitschaft, sich zu stellen, die eigene Meinung kundzutun und Offenheit zu signalisieren. Alles andere wäre pure Arroganz, wogegen Jugendliche zu Recht empfindlich sind. Viele Lehrer lehnen es völlig ab, sich auch nur mit diesem Thema zu beschäftigen. Erfahrungsgemäß ist aber auch das unreflektierte Ausprobieren okkulter Praktiken ohne weitere Vertiefung nicht empfehlenswert. Es hat wenig Zweck, eine einzige, zweistündige Veranstaltung zum Pendeln oder Gläserrücken durchzuführen und dann selbstgerecht das Thema abzuhaken. Die Beschäftigung mit den psychologischen, soziologischen und ethischen/religiösen Grundlagen gehört ebenso zum Komplex wie der Beitrag, den gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Die Entmystifizierung, die Entlarvung, die Entzauberung ist sicherlich nur eine pädagogische Aufgabe unter vielen, sie ist aber in diesem Zusammenhang nicht wegzudenken.

Das Problem Okkultismus wird oft mit dem Problem Drogen verglichen. Dieser Vergleich trifft in einigen Punkten zu: beim Suchtcharakter (Psychodroge) und bei den dahinter steckenden Ursachen. Er ist falsch, was das methodische Vorgehen betrifft: Jugendliche, die praktisch erfahren haben, dass sich das Pendel nicht aufgrund übersinnlicher Kräfte, sondern aufgrund psychomotorischer Bewegungen so magisch bewegt, die wissen, welche psychischen Mechanismen hinter allen Wahrsagemethoden stecken können, werden mit ziemlicher Sicherheit zumindest skeptischer sein gegenüber angeblichen Wundertätern, Magiern und Scharlatanen. Dass es gleichzeitig darum gehen muss, die Ursachen für die Beschäftigung mit Okkultismus und Spiritismus zu diskutieren und zu hinterfragen (was nicht gleichbedeutend ist mit zu verteufeln!), ist selbstverständlich.
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